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Update 10.1.2016 - Bilder auf APS-C Sensor und Bokeh-Blendenreihe angehängt

Das Vivitar Series 1 85mm f1.8 ist das günstigste Kurztele Objektiv für Vollformat zurzeit - mit einem Neupreis von rund 100€ inkl. Versand liegt es sogar unter der günstigen Konkurrenz von Samyang/Walimex und weit unter den großen Herstellern wie Canon, Sony oder Zeiss.

85mm gilt als klassische Portrait-Brennweite und Objektive mit dieser Brennweite sind in diesem Bereich der Fotografie sehr begehrt. Eine maximale Blende von f/1.8 ermöglicht eine sehr geringe Tiefenschärfe, bei dem der Hintergrund zu einer Wand aus Farben verschmilzt.

Diese Objektiv wird unter verschiedenen Namen vermarktet, meistens ist es als Kelda zu finden, im englisch-sprachigen Raum wird es als Opteka verkauft, die hier getestete Version mit Vivitar Branding ist heute eher selten. Die verschiedenen Versionen sind optisch exakt gleich, die Vivitar Series 1 Variante hat eine andere Gummierung am Fokusring mit eingeprägtem Vivitar Schriftzug.

Egal unter welchem Label das Objektiv verkauft wird, hergestellt wird es immer von der Chinesischen Firma Changchun Kaili Optronics Co, die neben Consumer Objektiven vor allem Equipment für Industriekameras wie Infrarot Wärmebildkameras, Rückfahr-Kameras für Autos und Video Überwachungs Kameras produzieren.

Technische Daten

  • Brennweite: 85mm
  • Bildkreis: 35mm (Vollformat)
  • Blendenumfang: 1.8 - 22
  • Blendenlamellen: 6 gerade
  • Aufbau: 9 Elemente / 7 Gruppen
  • min. Fokus Distanz: 0.85m
  • Filterdurchmesser: 55mm (72mm für Gegenlichtblende)
  • Gewicht: 300gr
  • Maße: Ф63mm x 55mm
  • Mount: Canon EF
  • Materialien: Glass / Metall, plastik Gegenlichtblende
  • Focus: Manuell

Features

Das Objektiv ist komplett manuell zu bedienen, sowohl Blende als auch Fokus müssen an den beiden Ringen direkt am Objektiv eingestellt werden und die Belichtungsmessung erfolgt immer bei Arbeitsblende. Ferner besitzt das Kelda 85mm f1.8 keinerlei elektronische Kontakte am Canon-EF Mount, d.h. es werden keine EXIF Daten an die Kamera übermittelt.

Die Verfügbaren Blendenstufen sind unregelmäßig von f/1.8 bis f/22 platziert: die Zwischenstufen sind f2.5, f3.5, f4.5, f6, f10, und f22. Nicht nur, dass die typischen Stufen wie 2.8, 4 und 5.6 ausgelassen wurden - der letzte Schritt von f10 auf f22 ist ein massiver Sprung und entspricht 2 kompletten Blendenstufen!

Dagegen muss man allerdings halten, dass so kleine Blenden im Portrait-Umfeld komplett unüblich sind und wahrscheinlich nie zum Einsatz kommen werden. Wenn die Bildqualität stimmt wird das Objektiv hauptsächlich bei Offenblende oder leicht abgeblendet benutzt werden.

Verarbeitung

Das Objektiv ist mit 55mm Länge erstaunlich kompakt und durchgehend 63mm dick. Das Gewicht von 300gr verstärkt den Eindruck eines kompakten, robusten Gerätes. Leider ist das Gewicht etwas unvorteilhaft auf die vordere Objektivhälfte verteilt - bei nur 300gr ist das allerdings kein allzu großer Negativpunkt.

Der Fokusring ist mit Gummi überzogen, das sich merkwürdig samtig und nicht besonders griffig anfühlt. Der Ring bewegt sich gleichmäßig aber mit hohem Drehwiderstand und benötigt ca. 150° Drehung um von der Mindesteinstellgrenze von 85cm auf unendlich zu gelangen.

Der Blendenring rastet bei den oben genannten Einstellungen, was schon merkwürdig genug ist, aber leider fühlt sich dieser nicht besonders wertig an. Die Blendenstufen benötigen etwas zu viel Kraft für meinen Geschmack.

Der Mount besteht aus Metall und lässt sich ohne hakeln oder nennenswertes Spiel auf dem Canon EF Anschluss befestigen.

An der Front sitzen zwei Filtergewinde: Ein äußeres 72mm Gewinde für die Befestigung der mitgelieferten Sonnenblende und ein 55mm Innengewinde für die Verwendung von Filtern.

Die Sonnenblende fühlt sich stabil an, ist fummelig aufzuschrauben bis sie im Gewinde sitzt und lässt sich auch nicht umgedreht aufsetzen. Da das Objektiv ohnehin sehr kompakt ist, habe ich sie dauerhaft auf dem objektiv gelassen.

Die Front rotiert nicht beim Fokussieren, das Objektiv wird aber länger wenn man näher fokussiert.

Bildqualität

Getestet wurde die Bildqualität an dem 24Mpx Sensor der Sony A7 (1. Gen), alle Aufnahmen sind mit einem Stativ und ausreichender Verschlusszeit entstanden.

Schärfe & Kontrast

Die Schärfe wurde im Nahbereich getestet, Stativ, Auslösung per IR Fernbedienung, ISO100, Shutter Variabel

f1.8 - f2.5

f4 - f6

f10 - f22

Das Objektiv ist bereits bei Offenblende sehr Kontrastreich und hat eine sehr kräftige Farbwiedergabe. Auch die Schärfe im Zentrum ist in Ordnung, durch Abblenden auf f/4.5 legt es noch einmal gut zu und wird sehr scharf.

Die Randbereiche werden erst bei f4.5 besser - bei f6 richtig scharf. Weiteres Abblenden auf f22 macht das Bild in allen Bereichen durch Beugungseffekte weich.

Da das Objektiv vorrangig für Portraits eingesetzt wird, ist die mangelnde Randschärfe bei Offenblende nicht allzu tragisch. Ein Einsatz für Landschaft ist erst bei f10 zu empfehlen, wobei Schärfe-Tests bei Unendlichkeit eventuell ein etwas besseres Bild zeigen.

Vignette

Obwohl in der Bedienungsanleitung geraten wird, bei starker Vignettierung doch bitte eine APS-C Kamera zu verwenden leuchtet das Objektiv problemlos 35mm Vollformat aus und Vignettiert bei Offenblende nicht mehr als vergleichbare Konkurrenten.

f1.8

Abgeblendet

Abblenden auf f/4.5 beseitigt die Vignette vollständig

Verzeichnung

Das Objektiv weist keine sichtbare Verzeichnung auf.

Flare-Anfälligkeit

Chromatische Abberationen

Laterale CAs (Quer-CA)

Das Objektiv zeigt bei Offenblende sehr starke Lila Farbsäume. In Lightroom oder Photoshop können diese jedoch entfernt oder zumindest auf ein benutzbares Maß abgemildert werden:

Offenblende f1.8:

100% Ausschnitte, Original und Korrigiert in Lightroom CC16:

Longitudinale CAs (Längs-CA)

Quer-CAs sind erstaunlich gut korrigiert, das oben abgebildete Beispiel ist bei f1.8 und Mindesteinstellgrenze.

Fazit

Das günstigste Vollformat Portrait Objektiv mit Blende 1.8 - kann das überhaupt taugen? Mit einem Straßenpreis von rund 100€ ist es günstiger als Vintage-Objektive mit ähnlichen Daten wie z.B. das Canon FD 85mm f1.8 - und das ist ca. 30 Jahre alt und gebraucht. Bekommt man hier also Mist aufgetischt, umgelabelte Billigware für Überwachungskameras? - Mitnichten!

Das Objektiv liefert bei der Bildqualität ab und bewegt sich ungefähr auf dem Niveau der Konkurrenz wie dem Canon FD 85mm f1.8 oder dem Nikon 85mm f2. Bei Offenblende ist es zudem Kontrastreicher und bringt sattere Farben als beide Konkurrenten.

Dafür ist die Haptik nicht ganz so gut und die Blendenstufen scheinen absolut undurchdacht - warum soll ich neben f3 noch f3.5 brauchen, bekomme aber keine Standardstufen wie f2.8 oder f4 angeboten?

Insgesamt kann ich das Objektiv allen empfehlen, die gerne manuell fokussieren. An Spiegellosen Systemen mit Focus-Peaking geht das noch besser als an Canon DSLRs für die das Objektiv eigentlich konstruiert ist.

Konkurrenz

In Zukunft wird das Kelda/Vivitar/Opteka starke Konkurrenz bekommen: Yongnuo, ein chinesischer Kamera Zubehör Hersteller bzw. Vermarkter hat zwei Portrait-Objektive mit Autofokus für Canon EF vorgestellt, das 100mm f2 und das 85mm f1.8.

Das 100mm f2 soll gerade mal 170$ kosten, das 85mm wird vermutlich etwas günstiger und ist damit im direkten Konkurrenzbereich zum Vivitar 85mm und bietet zusätzlich Autofous und automatische Blende! Sollten diese Objektive optisch Ansatzweise überzeugen gibt es keine Existensberechtigung mehr für das Vivitar, aber das bleibt abzuwarten.

Beispielbilder

Vivitar 85mm f1.8 auf APSC: Sony NEX-6

Vivitar 85mm f1.8 auf Vollformat: Sony A7

Links

Kelda 85mm f1.8 auf Aliexpress.com kaufen

Kelda 85mm f1.8 Review on whatdigitalcamera.com with Lab tests

Kelda 85mm f1.8 Review with MTF Graphs

Comparison of Vivitar/Samyang f1.4 vs. new f1.8

6th Oct, 2016
Stephan Wahlen

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