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STF Objektive geben ein besonders weiches, gleichmäßiges Bokeh ohne harte Kanten in den Spitzlichtern. Doch sind sie auch selten und teuer - mit einem selbstgebauten STF Filter, der in ein normales Objektiv eingebaut wird kann man den gleichen Effekt erreichen.

Was ist der STF Effekt?

Der STF Effekt wird durch die sog. Apodisation verursacht. Die Öffnungsblende hat keine harte Kante, sondern verläuft von außen nach innen mit einem weichen Übergang. Dadurch werden die durch Beugung entstehenden Aufhellungen um die jeweiligen Bildpunkte wesentlich abgeschwächt, das Bokeh wird "weicher".

Den Unterschied zu normalen Objektiven kann hier sehr gut beobachten.

Dazu wird ein spezieller Verlaufsfilter in die Öffnungsblende des Strahlenganges eingesetzt, dessen Transparenzverlauf der Gauß’schen Glockenfunktion entspricht. Eine Filterung in der Ebene der Öffnungsblende wirkt sich auf die Helligkeitsverteilung in der Bildebene als Fourier-Transformation aus, die Abbildungsoptik wirkt also als Fourierlinse. Der spezielle Filterverlauf bewirkt nun, dass die störenden Beugungsringe um die Bildpunkte verschwinden.

Die Wirksamkeit der Methode nimmt mit dem Durchmesser der Öffnungsblende zu, deswegen empfiehlt sich der Einsatz eines STF-Filters vor allem bei Standard-Objektiven mit großer Offenblende.

Anleitung für einen STF-Filter

Der STF-Filter ist im Prinzip nur ein radialer Verlaufsfilter mit einem bestimmten Helligkeitsverlauf. Um diesen Filter zu erstellen, habe ich mir ein kleines Programm geschrieben. Ihr könnt meine Vorlagen herunterladen und sie auf Dia belichten lassen:

Download Filter (888kb)

Die Filter sehen dann ungefähr so aus: - Alles was weiss ist, wird beim Druck durchsichtig


Ich habe meine Dias bei diabelichtung.info in belichten lassen. Die Druckqualität ist nicht so wichtig, da der STF Filter nicht in der Fokusebene sitzt, 4096 Linien reichen Dicke aus. Es ist nicht nötig die Dias Rahmen zu lassen, da ihr die Dias zuschneiden müsst. Ich habe 4 Filter gekauft um verschiedene Durchmesser auszuprobieren und ink. Versand 8,80€ bezahlt - ein Spitzenpreis.

Der STF-Filter muss direkt hinter oder vor der Blende angebracht werden, dafür muss das Objektiv zerlegt werden. Im Falle des Helios 44-2 geht das sehr einfach. Die rückseitige Linsengruppe kann als ein Stück heraus geschraubt werden und man hat freien Zugang zur Blende. Eine Anleitung zum Zerlegen des Helios 44-2 gibt es im Pentaxforum.

Das Helios 44-2 hat einen Durchmesser von 19mm an der Blende, ich habe den Filter stf-filter 18mm 2048px height.png aus dem obigen Download verwendet. Eingebaut sieht das dann so aus:


Beispielbilder: Vorher - Nachher

Für die Testbilder habe ich verknickte Alufolie als Hintergrund mit einem Blitz angeleuchtet, dadurch ergeben sich viele Spitzlichter. Außerdem habe ich einen dunklen Hintergrund gewählt um den Verlauf zwischen zwei Schärfe Ebenen und unterschiedlichen Helligkeiten sehen zu können:


Als Vergleich nun noch das Canon nFD 50mm f1.4 bei Offenblende - es ist kontrastreicher aber hat auch leichtes Zwiebelring-Bokeh:


Nun ein paar 100% Crops:

Wie man sehen kann verbessert der selbst hergestellte STF-Filter das Bokeh tatsächlich, die harten Ränder der Bokeh-Blobs (auch Zwiebelringe genannt) werden durch den Filter aufgeweicht. Die einzelnen Spitzlichter verschwimmen mehr zu einer homogenen Masse und lenken weniger vom Vordergrundobjekt ab.

Leider sieht man auch, dass das Bild mit Filter etwas kontrastärmer ist, da der Filter keinerlei optische Vergütung hat und einen Teil des Lichtes reflektiert. Für Portraits ist das m.M.n. aber zu verschmerzen.

Berechnung T-Stop

Durch den eingesetzten Filter gelangt weniger Licht zum Sensor, obwohl die physische Apertur, also die Blende gleich groß bleibt. Um den Transmissionsverlust zu berechnen fotografiere ich die selbe Szene bei selber Belichtung einmal mit- und ohne STF Filter. Ohne Filter lag die Belichtungszeit bei Blende f2 bei 1/250s. Mit Filter bei 1/100s.

1/250s / 1/100s = 2,5 - also gut eine Blendenstufe weniger Lichtdurchlass.

Das Objektiv mit Filter hat einen Transmissionswert von ca. T4,5. Wenn man bedenkt dass es vielleicht ohne Filter schon nur T2,2 war hat das Objektiv ungefähr T4,8

Pro:

  • Wunderbar weiches Bokeh
  • Keine Harten Kanten bei Spitzlichtern (Zwiebelringe)

Contra:

  • Lichtverlust
  • immer noch nicht so weiches Bokeh wie bei einem richtigen STF Objektiv
  • eigener Filter nicht multicoated -> dadurch Kontrastverlust

Ich würde den Umbau nur an Objektiven vornehmen, die ich entbehren kann. Denn ich will nicht riskieren eines meiner Lieblingsobjektive beim auseinanderbauen zu zerstören. Außerdem verlieren die Objektive so viel Lichtstärke, dass ich den STF Effekt nicht immer auf meinem go-to Objektiv haben möchte. 58mm sind eine gute Portrait-Brennweite auf APS-C Kameras, doch das Helios 44-2 habe ich nie wirklich benutzt, weil mir das Bokeh zu speziell war und ich bessere Alternativen habe. Dank des STF Filters erzeugt es viel weicheres Bokeh und macht sich als STF Objektiv sehr gut!

22nd Mar, 2016
Stephan Wahlen

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