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Das Vivitar Series 1 70-210 habe ich bei einem Giveaway von Alan Besedin gewonnen. Nach ein paar Versandproblemen (durch GLS verursacht), erreichte mich das Objektiv Anfang Februar endlich.

Die Series 1 Serie war die Parade Produktreihe von Vivitar, unter dessen Namen sie ihre besten Objektive vermarktet haben. Unter ihnen waren die ersten Lichtstarken f2.8 Zooms überhaupt. 1985 galten Zoomobjektive als wesentlich schlechter ggü. Festbrennweiten und hatten i.d.R. eine maximale Lichstärke von f4 oder geringer.

Auch wenn ich nicht erwarte, dass das Vivitar mit modernen Objektiven wie dem Canon EF 70-200L oder dem Sony FE 70-200 f4 mithalten kann, habe ich hohe Erwartungen, denn viele Nutzer im Pentaxforum loben die geniale Schärfe dieses Objektives. Ob es mit der 1000€+ Fraktion der neuen Objektive mithalten kann? Ich werde es herausfinden.

Technische Daten

  • Brennweite: 70-210mm
  • Bildkreis: 35mm
  • Blendenumfang: F2.8-16 bei 70mm; F4-22 bei 100-210mm
  • Blendenlamellen: 9
  • Aufbau: 14 Elemente in 10 Gruppen
  • Filterdurchmesser: 62mm
  • Abmessungen: Ф70mm x 240mm
  • Gewicht 860g
  • Mindesteinstellgrenze: 1,6m bei 70mm; 0.8m bei 100-210mm
  • Materialien: Multi-Coated Glass / Metall Body
  • Macro - 1:2,5 bei 210mm

Originales Manual des Vivitar Series 1 70-210mm F2.8-4

Verarbeitung

Typisch für diese Zeit, ist der Objektivtubus komplett aus Metall gefertigt, der Schiebezoom-Ring, der gleichzeitig Fokusring ist, ist mit Gummi beschichtet. Der Schiebezoom Mechanismus ist erstmal befremdlich, man gewöhnt sicher aber schnell daran. Man kann mit einer Handbewegung zoomen und scharfstellen ohne die Hand vom Objektiv nehmen zu müssen.

Der Blendenring läuft gleichmäßig und klickt bei halben Blendenstufen.

Das Gewicht von 860g ist sehr unhandlich an der Sony NEX-6, jedoch nicht ungewöhnlich hoch für seine Klasse. Moderne f4-Zooms mit dem Brennweitenbereich wiegen über 1kg. Da es über einen Adapter am E-Mount hängt, wäre eine Stativschelle wünschenswert gewesen, das Drehmoment will ich der kleinen Kamera ungern dauerhaft zumuten.

Optische Leistung

Schärfe

f/8, Sony NEX-6, Mitakon Lens-Turbo, OOC JPEG, Picture Style "Vivid":

100% Crops:


Vei Offenblende zeigt das Series 1 70-210mm F2.8-4 annehmbare Schärfe und gute Kontraste. Sobald es auf f4 respektive f5.6 abgeblendet wird legt es nochmal eine Schippe zu und wird richtig scharf. Für ein altes Zoom-Objektiv mehr als respektabel.

Bokeh

Bei dem Brennweitenbereich und der Blende schmilzt der Hintergrund geradezu dahin. Das Bokeh des Vivitar ist ansehnlich, wenn auch nicht weltbewegend gut. Für Portraits ist es aber bestens geeignet.

Chromatische Aberrationen

Hier offenbart das Vivitar seine einzige große Schwäche. Bis f5.6 oder 6.3 treten heftige Farbsäume auf. Mit ein bisschen Nachbearbeitung lassen sich diese reduzieren, die Zeit sollte man sich aber auch auf jeden Fall nehmen!

** Vorher - korrigiert in Lightroom**

Flare Resistenz

Für ein Objektiv aus dieser Zeit schlägt sich das Vivitar ganz gut, mit moderneren Mehrfachvergütungen kann es aber nicht mithalten: Bei direktem Gegenlicht verliert es einiges an Kontrast und zeigt deutliche (aber imho hübsche) Lens Flares.

Vignettierung

Bei Offenblende Vignettiert das Vivitar wie zu erwarten deutlich. Sobald es etwas abgeblendet wird, verschwindet sich das Problem.

70mm


200mm

Macro

Beispielbilder

Sony NEX-6, Mitakon Lens Turbo v1, JPEG, Picture Style "Vivid"

Crop:

Fazit

Pros:

  • Scharf
  • große Offenblende
  • Kontrastreich
  • gutes Bokeh
  • Macro Funktion

Cons:

  • groß und schwer für die kleine NEX
    • lässt sich aber bei dem Brennweitenbereich und der Blende nicht verhindern.
  • Kein Stativanschluss / Stativschelle
  • Schärfe bei Offenblende nicht perfekt
  • Chromatische Aberrationen (Purple Fringing)

Wenn die Chromatische Aberrationen nicht so deutlich ausfallen würden, wäre das Vivitar Series 1 70-210mm richtig gut. Ordentliche Schärfe bei Offenblende, gute Kontraste und gutes Bokeh. Doch die CAs sind sehr deutlich und müssen in fast allen Fällen nachträglich entfernt werden um das Bild nicht zu entwerten. Das trübt den Gesanteindruck leider, zeigt aber auch dass sich die Objektiv Technik in den vergangenen 30 Jahren weiter entwickelt hat. Wer ein Sportobjektiv sucht, ist mit den aktuellen AF Objektiven besser bedient. Empfehlen kann ich das Vivitar nur geübten Manuell-Fokussierern, die keine Probleme damit haben die CAs in Lightroom zu entfernen.

Neben den guten Funktionen als Portrait und Telezoom Linse funktioniert es auch noch als brauchbares Macro Objektiv. Der Vergrößerungsmaßstab von 1:2,5 kann zwar nicht mit richtigen Macro Objektiven mithalten, ist aber praktisch für Bilder von Blumen unterwegs wenn man kein zweites Objektiv mitschleppen will.

Wer ein richtiges Macro Objektiv mit Abbildungsmaßstab > 1:1 möchte, der sollte sich meine Anleitung Macro Objektiv mit 1.2:1 Vergrößerung für <15€ (35-80mm Macro Mod) durchlesen.

3rd Feb, 2016
Stephan Wahlen

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